Zero Limits Circle · Prüfliste

Zehn Minuten.Dann weißt du, ob die Stelle echt ist.

Die komplette Prüfliste aus dem Video: sechs Prüfungen in fester Reihenfolge, die Fragen fürs Gespräch und der Notfallplan, falls schon Geld oder Daten raus sind.

Von Armin Eco · Zero Limits Circle · Stand 22.09.2026

Die Reihenfolge

Prüf die Firma,bevor du dich bewirbst.

Die meisten Leute prüfen die Stelle nicht, sie prüfen nur, ob sie sich trauen. Dabei ist der Ablauf immer derselbe: erst die Firma, dann die Person, dann das Geld, dann das Gespräch.

Du arbeitest von außen nach innen. Die ersten drei Schritte machst du ohne Kontakt zur Firma, allein mit dem Browser. Wer dort durchfällt, kostet dich keine weitere Minute.

Rechne mit 10 Minuten für die Schritte 1 bis 5. Schritt 6 ist das Gespräch selbst. Diese Seite ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

  1. 01

    Impressum und Anschrift · 2 Minuten

    Jede geschäftsmäßige Website in Deutschland braucht ein Impressum mit Namen, ladungsfähiger Anschrift, einer schnellen Kontaktmöglichkeit und, bei eingetragenen Firmen, Register und Registernummer. Geregelt ist das in § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes, das seit Mai 2024 an die Stelle des alten § 5 TMG getreten ist.

    Ein Postfach ist keine ladungsfähige Anschrift. „Deutschlandweit tätig“ ist keine Adresse. Eine Firma, die ihre eigene Adresse versteckt, will nicht erreichbar sein.

    Mach das

    Impressum aufrufen. Adresse und Firmenname in die Kartensuche kopieren. Steht dort ein Bürogebäude, ein Coworking-Space oder eine Wohnung, in der schon 60 andere Firmen sitzen, merkst du das sofort.

  2. 02

    Register statt Website · 3 Minuten

    Eine Website beweist nichts. Ein Registereintrag schon. Für deutsche Firmen suchst du im Handelsregister nach dem Firmennamen. Die Abfrage ist seit dem 1. August 2022 kostenlos und ohne Registrierung möglich. Du siehst Firma, Sitz, Geschäftsführer und Stammkapital.

    Drei Dinge müssen zusammenpassen: der Name im Impressum, der Name im Register und der Name, unter dem dich jemand anschreibt. Weicht eines ab, fragst du danach. Eine echte Firma beantwortet das in zwei Sätzen.

    Sitzt die Firma im EU-Ausland, gehst du über das Europäische Justizportal in das Register des jeweiligen Landes. Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer prüfst du über VIES der EU-Kommission. Achtung: Eine gültige USt-IdNr. beweist nur, dass die Nummer existiert und zu dieser Firma gehört. Sie beweist nicht, dass die Firma ehrlich ist.

    Diese drei Links reichen

    Deutsche Firmen: handelsregister.de, ergänzend unternehmensregister.de für Jahresabschlüsse und Bekanntmachungen.

    EU-Firmen: Europäisches Justizportal. USt-IdNr.: VIES der EU-Kommission.

  3. 03

    Domain, Mailadresse, Stellenanzeige · 1 Minute

    Seriöse Firmen schreiben dich von ihrer eigenen Domain an. Eine Recruiterin mit Gmail-Adresse ist kein Beweis für Betrug, aber sie ist ein Punkt auf deiner Liste. Gefährlicher ist die Domain, die fast stimmt: ein zusätzlicher Bindestrich, eine andere Endung, ein vertauschter Buchstabe. Vergleich die Adresse Zeichen für Zeichen mit der Domain, die du selbst über die Suchmaschine gefunden hast.

    Zweiter Punkt: dieselbe Stellenanzeige, Wort für Wort, bei einer anderen Firma. Kopier zwei ungewöhnliche Sätze aus der Anzeige in Anführungszeichen in die Suche. Tauchen sie bei fünf Firmen auf, ist der Text geklaut.

    Mach das

    Firmenname plus die Wörter Erfahrung, Betrug oder Bewertung suchen. Dann die Domain selbst aufrufen, ohne den Link aus der Mail zu benutzen.

    Prüf danach das Alter der Domain. Bei .de-Domains zeigt der Web-Whois von DENIC das Datum der letzten Registrierung, bei allen anderen Endungen ICANN Lookup das Creation Date. Eine Firma, die es seit zehn Jahren geben soll, deren Domain aber drei Wochen alt ist, passt nicht zusammen. Dass kein Inhabername steht, ist dagegen normal: Bei Privatpersonen werden die Halterdaten aus Datenschutzgründen nicht angezeigt, bei Firmen dagegen schon.

  4. 04

    Die Person, die dich anschreibt · 2 Minuten

    Fake-Profile sind billig geworden. Ein Bild sagt nichts mehr, weil es generiert sein kann. Was du prüfst, ist die Spur, die ein echter Mensch über Jahre hinterlässt.

    Drei Merkmale, die zusammen ziemlich eindeutig sind: das Profil ist wenige Wochen alt, es hat kaum Verbindungen oder Aktivität, und die Firma taucht in keinem anderen Profil auf. Bei einer echten Firma mit 40 Leuten finden sich mehrere Mitarbeiter.

    Der Gegentest

    Such den Namen der Person zusammen mit dem Firmennamen. Dann such dieselbe Person über die offizielle Firmenwebsite oder die Telefonzentrale. Ruf nicht die Nummer aus der Mail an, sondern die Nummer von der Website, die du selbst gefunden hast.

  5. 05

    Der Geldfluss · 1 Minute

    Die Richtung ist immer gleich: Geld fließt zu dir. Nicht von dir weg. Das ist die Prüfung, die den größten Teil der Fälle abräumt.

    Ein privater Arbeitsvermittler darf nach § 296 SGB III Geld von dir erst verlangen, wenn durch seine Vermittlung ein Arbeitsvertrag zustande gekommen ist. Vorschüsse darf er nach derselben Vorschrift weder verlangen noch annehmen, und die Vergütung ist auf 2.000 Euro inklusive Umsatzsteuer gedeckelt. Bei der Vermittlung eines Minijobs darf er überhaupt nichts verlangen. Wer vorher kassiert, arbeitet gegen diese Regel. Und ein Arbeitgeber, der dich einstellt, verkauft dir vorher gar nichts.

    Wer vor dem ersten Arbeitstag Geld für Schulung, Software, Zertifikat, Starter-Paket oder Hardware sehen will, verkauft dir ein Produkt und bietet dir keinen Job an. Nach meiner Einschätzung ist das in dieser Konstellation praktisch immer die Masche.

    Der Satz, der das klärt

    „Entstehen mir vor oder während der Tätigkeit Kosten irgendeiner Art?“ Die einzige Antwort, die du akzeptierst, ist ein klares Nein.

  6. 06

    Das Gespräch · per Video, nicht per Chat

    Läuft der gesamte Bewerbungsprozess über Chat, redest du nicht mit einer Firma, sondern mit jemandem, der nicht gesehen werden will. Ein Video-Gespräch kostet eine echte Firma 15 Minuten. Wer das über Wochen vermeidet, hat einen Grund dafür.

    Verlagert dich jemand sofort nach dem ersten Kontakt auf Telegram oder WhatsApp und will dort eine Zusage, ist das kein Bewerbungsprozess. Ein Vorstellungsgespräch ohne Bild, ohne Ton und ohne Namen ist kein Vorstellungsgespräch.

    Mach das

    Schlag ein Video-Gespräch vor und nenn zwei konkrete Termine. Die Reaktion darauf ist aussagekräftiger als jede Antwort im Chat.

Sofort abbrechen

Neun Punkte.Einer reicht zum Abbruch.

Bei diesen Punkten prüfst du nicht weiter und diskutierst nicht. Du brichst ab.

Das Gespräch

Sechs Fragen.Eine echte Firma antwortet sofort.

Diese Fragen sind höflich und trotzdem hart. Sie kosten einen echten Arbeitgeber nichts und einen Betrüger den Nachmittag. Achte weniger auf den Inhalt als darauf, ob überhaupt geantwortet wird.

  1. 01
    Wie lautet der vollständige Firmenname mit Rechtsform und Registernummer? Jeder Geschäftsführer kennt das auswendig. Ausweichen ist die Antwort.
  2. 02
    Bin ich angestellt oder arbeite ich auf Rechnung? Das entscheidet über Steuern, Sozialversicherung und Urlaub. Wer das offen lässt, hat nichts vorbereitet.
  3. 03
    Wie hoch ist das feste Gehalt, und was davon ist variabel? „Verdienst ist nach oben offen“ ist keine Antwort auf diese Frage.
  4. 04
    Entstehen mir vor oder während der Tätigkeit Kosten? Die einzige Antwort, die du akzeptierst, ist ein klares Nein.
  5. 05
    Wer ist meine direkte Führungskraft, und wie ist ihr Name? Danach prüfst du diesen Namen auf demselben Weg wie in Schritt 4.
  6. 06
    Bekomme ich den Arbeitsvertrag vor dem ersten Arbeitstag schriftlich? Eine Zusage nur per Sprachnachricht ist im Streitfall wenig wert.
Nachricht zum Kopieren
Hallo, danke für die Rückmeldung. Bevor ich weitermache, drei kurze Fragen:

1. Wie lautet der vollständige Firmenname mit Rechtsform und Registernummer?
2. Ist die Stelle eine Anstellung oder eine Tätigkeit auf Rechnung, und wie hoch ist das feste Gehalt?
3. Entstehen mir vor oder während der Tätigkeit Kosten irgendeiner Art?

Für den nächsten Schritt schlage ich ein kurzes Video-Gespräch vor. Bei mir passt Dienstag 10 Uhr oder Mittwoch 16 Uhr.

Die gefährlichste Masche

Der „Job“,der dich zum Täter macht.

Bei allen anderen Maschen verlierst du Geld. Bei dieser verlierst du Geld und stehst zusätzlich selbst in einem Ermittlungsverfahren.

Der Ablauf ist einfach: Du wirst als Zahlungsabwickler, Finanzagent oder Regional-Repräsentant eingestellt. Geld geht auf dein Konto ein, du behältst einen Anteil und leitest den Rest weiter, oft in Krypto oder per Auslandsüberweisung. Das eingegangene Geld stammt aus Betrugstaten. Dein Konto ist die Waschmaschine.

Die Variante mit Paketen läuft genauso: Du nimmst Sendungen an, packst sie um und schickst sie ins Ausland weiter. Die Ware ist mit gestohlenen Kartendaten bezahlt.

Geldwäsche ist nach § 261 StGB strafbar. Absatz 6 erfasst ausdrücklich auch den Fall, dass jemand die Herkunft des Geldes leichtfertig nicht erkennt: bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Dass du den Hintergrund nicht kanntest, schützt dich also nicht zuverlässig. Dazu kommt in der Praxis regelmäßig die Kündigung des Kontos durch die Bank.

Die Regel dazu

Kein echter Arbeitgeber braucht dein privates Girokonto für seinen Zahlungsverkehr. Firmen haben eigene Konten. Wer deines will, will genau deins.

Notfallplan

Schon Geld oder Daten raus?Dann jetzt der Reihe nach.

Zeit ist hier der einzige Hebel. Je früher du handelst, desto mehr lässt sich retten. Arbeite die Punkte in dieser Reihenfolge ab.

Wenn Geld geflossen ist

  1. 01
    Sofort die Bank anrufen Eine ausgeführte Überweisung hast du rechtlich nicht mehr im Griff. Die Bank kann aber einen Rückruf beim Empfängerinstitut starten. Das ist Kulanz und gelingt nur, solange das Geld noch da ist.
  2. 02
    Bei Lastschrift: Rückgabe veranlassen Eine SEPA-Basislastschrift kannst du innerhalb von acht Wochen nach der Belastung ohne Angabe von Gründen zurückholen lassen. Hast du nie ein Mandat erteilt, sind es 13 Monate. Sag deiner Bank, welcher Fall vorliegt.
  3. 03
    Bei Kreditkarte: Chargeback beantragen Der Rückbuchungsprozess läuft über deine Bank und ist kein gesetzlicher Anspruch, sondern eine Regel der Kartenanbieter. Als Richtwert nennt das Europäische Verbraucherzentrum bis zu 120 Tage ab Belastung.
  4. 04
    Bei PayPal: Fall melden Der Käuferschutz greift nicht bei Zahlungen an Freunde und Familie. Genau deshalb wird diese Option von Betrügern verlangt. Melde den Fall trotzdem.
  5. 05
    Strafanzeige stellen Online über das Onlinewachen-Portal der Polizei oder bei jeder Dienststelle. Nimm alles mit: Chatverläufe, Stellenanzeige, Kontodaten, Screenshots.
  6. 06
    Die Empfängerbank informieren Aus der IBAN lässt sich die Bank des Empfängers ermitteln. Meldest du den Fall dort mit dem polizeilichen Aktenzeichen, kann sie das Konto wegen Geldwäscheverdachts sperren.

Wenn Daten oder eine Ausweiskopie raus sind

  1. 01
    Passwörter ändern Zuerst das E-Mail-Postfach, danach alles, was dieselbe Kombination benutzt hat. Zwei-Faktor-Schutz überall aktivieren, wo es ihn gibt.
  2. 02
    Konten und Karten sperren lassen Über deine Bank oder den Sperr-Notruf 116 116, rund um die Uhr, aus dem deutschen Festnetz kostenlos. Der sperrt Karten, Online-Banking-Zugänge, SIM-Karten und die Online-Ausweisfunktion. Er sperrt weder dein Konto selbst noch deinen Personalausweis als Dokument. Prüf vorher, ob deine Bank überhaupt teilnimmt.
  3. 03
    Auskunfteien prüfen Fordere deine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO an: bei der SCHUFA, bei CRIF und bei Experian. Dort siehst du, ob jemand auf deinen Namen Verträge abgeschlossen hat. Die Auskunft ist kostenlos, und zwar nicht nur einmal im Jahr.
  4. 04
    Anzeige erstatten und Beleg aufheben Die Aktenzeichen brauchst du später gegenüber Banken, Inkasso und Auskunfteien.
  5. 05
    Die Anzeige melden Melde die Stellenanzeige auf der Plattform, über die du sie gefunden hast. Bei der Jobbörse der Bundesagentur nennst du die Referenznummer der Anzeige. Verdächtige Mails leitest du an das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale weiter: phishing@verbraucherzentrale.nrw

Wichtig

Zahl nichts nach, um Geld zurückzubekommen. Die zweite Masche ist die Rückhol-Masche: Jemand meldet sich als Anwalt oder Ermittler und verlangt eine Gebühr für die Rückholung. Das ist dieselbe Gruppe mit einem neuen Namen.

Zum Abhaken

Der Filterauf einen Blick.

Geh die Liste bei jeder neuen Stelle durch. Zwei Haken fehlen, dann bewirbst du dich nicht.

Checkliste als Text
REMOTE-JOB-FILTER
[ ] Impressum mit echter Anschrift und Registernummer
[ ] Registereintrag gefunden, Namen stimmen überein
[ ] Domain und Mailadresse geprüft, Zeichen für Zeichen
[ ] Stellenanzeige nicht wortgleich bei anderen Firmen
[ ] Person außerhalb des Chats gefunden und erreichbar
[ ] Keine Zahlung von mir, zu keinem Zeitpunkt
[ ] Kein Geldtransfer über mein Konto
[ ] Video-Gespräch angeboten oder akzeptiert
[ ] Vertrag schriftlich vor dem ersten Arbeitstag
[ ] Ausweis und Bankdaten erst nach Unterschrift

Die Links

Wo du wirklich prüfst.

Fünf Adressen zum Prüfen, dazu die beiden Vorschriften im Wortlaut.

Die rechtlichen Hinweise auf dieser Seite sind allgemein gehalten und beziehen sich auf deutsches Recht. Sie ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall. Wo ich eine Einschätzung abgebe, steht das im Text.

Die Prüfliste als Erinnerung

Trag dich ein, dann schicke ich dir den Filter per Mail, damit du ihn bei der nächsten Stelle zur Hand hast. Dazu neue Warnungen, wenn sich eine Masche verändert.

Passt. Die Mail ist unterwegs, schau auch in den Spam-Ordner.

Du bekommst Mails zum Thema Remote-Arbeit und kannst dich jederzeit mit einem Klick abmelden. Was mit deinen Daten passiert, steht in der Datenschutzerklärung.

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